»Keinen Mucks und keine verfickte Bewegung«, zischte er. Mit nacktem, über und über mit Tätowierungen übersäten Oberkörper und glühendem Wahnsinn in den Augen stand er vor ihr. Wie der personifizierte Terror. Die mächtige Machete war über seinem Kopf erhoben und bereit, ihren Schädel zu spalten.
Den Worten zum Trotz zuckte das dumme Ding und bereute es prompt. Mit einem dumpfen Surren rotierte die messerscharfe Klinge durch die Luft. Haarscharf am Kopf des Mädchens vorbei. Allein der Zufall schien als Lebensretter einzuspringen, denn die leiseste Bewegung in die falsche Richtung hätte Mary mindestens eine Schicht Haut gekostet. Die Szene wurde von einem jähen, Mark und Bein durchdingenden Quieken durchbrochen.
»FUCK!« Mit hasserfülltem Blick in Richtung des Görs wandte sich der Jäger ab und eilte der Beute hinterher, wobei er in der Bewegung die im Boden steckende Machete auflas. Weit kam das Schwein ohne den abgetrennten Huf nicht.
Mary zitterte wie Espenlaub, als sie sich wie ferngesteuert umdrehte und den Fremden keine Sekunde mehr aus den Augen ließ. Hätte ihr Verstand sich nicht ausgeklinkt, wäre sie in Ohnmacht gefallen, als sie mitansehen musste, wie er, kalt wie Eis, der kläglich humpelnden Bache mit der überbreiten Klinge die Kehle durchtrennte.
Der Anblick allein war schon zu viel für den noch nicht gänzlich verrohten Verstand der 14-jährigen. Was sie ihr Lebtag aber nicht mehr vergessen würde, waren die herzzerreißenden Qualenslaute, die in einem bluterstickten Gurgeln erstarben.
Mary sackte in sich zusammen. Spuckte Galle auf den Waldboden, da mehr nicht vorhanden war. Seit Tagen hatte die Gruppe keinen Proviant mehr.
Im trüben Nebel dessen, was sich Wahrnehmung schimpfte, registrierte die Teenagerin, den Fremden vor dem ausblutenden Leib knien. Er bewegte den Mund und hielt die Augen geschlossen. Kurz Flackerte der Gedanke auf, dass das nicht sein gottverdammter Ernst sein konnte. Erst brachte er das Tier um, dann sprach er damit?In unmittelbarer Nähe dieses Irren war sie in höchster Gefahr! Wie ein Holzhammer traf sie jene Erkenntnis. Doch ehe sie die Bedeutung dessen erfasste, hatten die Beine längst das Kommando übernommen und trugen sie zurück ins Camp.
Keinen Blick widmete der Fremde der Davoneilenden. Selbst nachdem er mit den Dankesworten abschloss. Im Vorfeld hatte er der Beute die Bauchdecke aufgeschlitzt und behutsam die inneren Organe herausgetrennt, die in einem Teich aus Blut aufgetürmt, keine zwei Meter entfernt, wie eine Opfergabe anmuteten. Tribut für verwandte Seelen sowie Aasfresser.
Außerdem ließ sich der Kadaver ohne die Innereien leichter aus dem Wald schleifen.Stur packte er das Ungetüm am Unterschenkel und zog es hinter sich her in Richtung Lager. Das übergeschnappte Nervenbündel hatte seine Ankunft sicherlich schon angekündigt. Es war an Dummheit kaum zu überbieten. Allein im Wald herumzuirren? Ohne den kleinsten Funken Überlebensinstinkt? Am Knöchel aufgehängt und in Agonie dahinsiechend wäre noch nicht einmal das Schlimmste gewesen, was er sich für sie hätte ausmalen können.So viel zur überlegenen Spezies auf diesem Planeten, der endlich die Schnauze voll hatte und die größte Plage auf seiner Oberfläche von der Bildfläche wischte.
Tabula rasa.
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