Der Fremde kauerte zwischen Sträuchern und Ästen. Hatte die Beute genau im Blick, die durch das Unterholz stakte. Beim Begutachten des knackigen Hinterteils lief ihm bereits das Wasser im Mund zusammen. An den üppigen Schenkeln würde er sich laben, bis er vor Glückseligkeit grunzte. Noch galt es allerdings, auf der Hut zu bleiben und einen günstigen Augenblick abzupassen.
Was er mit den vier Campbewohnern vorhatte, wusste er noch nicht genau. Musste er auch nicht. Zeit spielte längst keine Rolle mehr. Nicht wie früher, als sich jeder sklavisch nach diesem verfickten System richten musste. Er hatte sich von jeher ‘nen Dreck drum’ geschert. Man konnte echt sinnvolleres mit seinem Leben anstellen.
Er war auf seine Kosten gekommen. Zumindest bis er im bekackten Psycho-Knast landete und als halber Zombie vor sich hinvegetierte. Dank der Medis, die man ihm ‘reindrückte.
Er konnte die Male gar nicht mehr zählen, in denen er einen der Pfleger, trotz des Deliriums, in die Eier getroffen hatte. Zum Lohn dafür, dass sie ihn mit dem Scheiß vollpumpten. Klar büßte er das. Aber Irgendjemand musste den Kackladen ja aufmischen.
Gute, alte Zeiten.
Schlaf nahm er sich, wenn er es für angebracht hielt. Oder Langeweile aufkam. Er hatte schon von klein auf mehr Energie, als gut für ihn war. Das spiegelte frühzeitig seine Strafakte wider.
Wachen oder Schutz? Waren für Durchschnittsarmleuchter, die keinen blassen Dunst davon hatten, wie man überlebte.
Wovor musste er sich in Acht nehmen? Die größte Gefahr in der näheren Umgebung waren nicht die seuchenzerfressenen Leichen, geschweige denn irgendwelches dahergelaufenes, sich für besonders heimtückisch oder clever haltendes Fußvolk. Die größte verdammte Bedrohung im Umkreis war er.
Ja, verdammt! Er war der beschissene König von Postapokalyptisch-Weltuntergangshausen. Das sollte sich besser jeder hinter die Ohren schreiben. Die innewohnenden Instinkte waren die eines Raubtiers und diese Weltuntergangsnummer das reinste Schlaraffenland.
Bald schon würde das auch sein Ziel begreifen.
»Mhmmm. Schwing deinen leckeren Hintern ruhig noch ein bisschen tiefer in den Wald. Braves Ding. Hast bestimmt schon auf mich gewartet«, dachte er im Stillen. Es hätte wesentlich besser um die ausgewählte Beute stehen können, die er kaum mehr aus den Augen ließ.
Einen großen Bogen schlagend, schlich er um sie herum. Die Instinkte eines Jägers gepaart mit angeborener Geschicklichkeit ließen ihn auf seiner Spielwiese weiterhin unsichtbar erscheinen.
Sie war genau sein Fall. Nicht, dass er ausgesprochen wählerisch gewesen wäre. Doch selbst für ihn gab es einen gewaltigen Unterschied zwischen altem, ausgelatschtem, kurz vorm Vergammeln stehenden Fleisch und dem jungen, pulsierenden Körper direkt vor ihm.
Er leckte sich die Lippen und trat geräuschlos hinter einem dicken Baumstamm hervor – direkt vor Marys Augen.
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